Almabtrieb in Söll – traditionsreiches Tourismusspektakel

152 Aufrufe 0 Kommentare

Die Landstraße schlängelt sich idyllisch und einsam durch die Landschaft im Wilden Kaiser. Kaum erreicht man aber Söll, das Ziel der heutigen Reise, ist Schluss mit der Ruhe. Schon von Weitem sieht man die Schwadronen von Reisebussen am Ortseingang stehen, die Zufahrt zum Ortskern ist gesperrt und die Festwiese ist schwarz vor Menschen. Almabtrieb in Söll!

Glocken in allen Größen schmücken die Hälse der Kühe, Ziegen und Schafe. © textwelten

Glocken in allen Größen schmücken die Hälse der Kühe, Ziegen und Schafe.
© textwelten

Das traditionell jeden Herbst stattfindende Ereignis hat sich vom Brauchtum längst zum Tourismusmagneten gemausert. Am Straßenrand stehen Buden und verkaufen Almabtriebs-T-Shirts, passende Becher und Mousepads. Natürlich kann sich der Nicht-Tiroler hier auch mit Sennerhüten, Karohemden und Krachledernen ausstatten. Wen die Kuhglocken faszinieren, kann sich eine mit nach Hause nehmen – als Schlüsselanhänger oder bis zur Originalgröße, die einige Kilos auf die Waage bringt.

Mehr als Folklore

Mehr als Folklore Am Almabtrieb nehmen auch schon die ganz Jungen teil und tragen dabei Tiroler Tracht. © textwelten

Am Almabtrieb nehmen auch schon die ganz Jungen teil und tragen dabei Tiroler Tracht.
© textwelten

Doch der Almabtrieb in Söll ist mehr als buntes Folklore-Spektakel, bei dem man Kaiserschmarrn essen und Blasmusik hören kann. Wer den Sennerinnen und Sennern zuschaut, die ihre Tiere von den Hochalmen für den Winter ins Tal bringen, der sieht, dass es sich beim Almabtrieb tatsächlich um die viel beschworene gelebte Tradition handelt. Nicht die Alten pflegen den Brauch, sondern die jungen Bauern, die noch im Geschäft sind. Klein und Groß bringt stolz in ortsüblicher Festtagstracht das Vieh ins Tal.

Für die Menschen bedeutet der Talabtrieb eine Erleichterung. Der Aufenthalt im Gebirge den Sommer über ist mühsam und für die Tiere oft gefährlich. Wer auf den Almen lebt, muss mit Stille und Einsamkeit umgehen können und darf außerdem nicht zimperlich sein, wenn es ans Arbeiten geht. Haben aber alle Menschen und Tiere den Sommer auf der Alm gut verbracht, dann ist das eine Feier wert.

Blütenschmuck als Zeichen der Dankbarkeit

Blütenschmuck als Zeichen der Dankbarkeit Mit buntem Kopfputz aus Blumen und Papier werden die Tiere nach dem Sommer ins Tal getrieben. © TVB Wilder Kaiser

Mit buntem Kopfputz aus Blumen und Papier werden die Tiere nach dem Sommer ins Tal getrieben.
© TVB Wilder Kaiser

Das ist auch der Hintergrund des Almabtriebs: Die Bauern schmücken ihre Tiere mit Blütenkronen und Glocken, um ihre Dankbarkeit auszudrücken, dass alle überlebt haben und gesund sind. Entlang des Wegs zum Heimathof, wo alle den Winter verbringen, werden sie von den Talbewohnern mit Musik und Jubelrufen in Empfang genommen.

Der Almabtrieb ist schon längst zur Touristenattraktion geworden. © TVB Wilder Kaiser

Der Almabtrieb ist schon längst zur Touristenattraktion geworden.
© TVB Wilder Kaiser

Mittlerweile begrüßen aber eben nicht nur die Einheimischen die Almbauern und ihr Vieh, sondern auch Touristen aus aller Welt. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern stimmen sie in den Jubel ein, als die lustige Ziegenherde – deutlich störrischer und wilder als die Kühe – im Ort ankommt. Wenn die Almbauern noch lange zu tun haben, ihr Vieh in den Winterstall zubringen, wird in Söll bis spät in die Nacht die glückliche Ankunft gefeiert. Bei Blasmusik und DJ Raini treffen sich Tradition und Moderne.

Merken

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar