Bouldern in Fontainebleau am Mont Simonet

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Pit Boule

Der Pitbull hat ein ästhetisches Erscheinungsbild. Geradezu majestätisch, wie er seinen Kopf nach oben reckt. Ein bisschen abweisend wirkt er, kommt aber dann doch ganz zugänglich daher. Aber wenn man ihm zu nahe kommt, zeigt er sich garstig, ja richtig bissig. Ich bin kein ausgesprochener Hundekenner. Ob diese Beschreibung auf das Tier zutrifft, weiß ich nicht genau. Umso mehr trifft es dafür auf die wenigen Kletterzüge mit dem Namen „Pitt Boule“ (7a) zu, die uns beim Bouldern in Fontainebleau am höchsten Punkt des Mont Simonet erwarten.

Klein, fein, vielseitig

Wie Bullriding, nur kopfüber, so scheint die Disziplin zu lauten, wenn man auf der Unterseite der Hundeschnauze entlangklettert. Doch was hatte Heni und mich nur in dieses unbekannte Gebiet verschlagen? Meinen jährliche Resturlaub galt es zu verplanen. Nicht zu teuer diesmal. Lange Autofahrt ins Warme? Och, nö! Dann vielleicht doch mal wieder Bouldern in Fontainebleau? Aber wo findet man nach guten 20 Jahren Bleau-Fahrens noch neue Ecken, neue Boulder, auf denen nicht schon die Labels: „Habe ich schon geklettert“ oder „Kann ich nicht klettern“ kleben? Ein bisschen Recherche und schnell war klar: In den letzten Jahren hat sich im berühmtesten Boulder-Gebiet der Welt eine Menge getan. Dank bleau.info und diversen, neu erschienenen Bleau-Topos haben sich viele kleinere Gebiete etabliert – meist unweit von den Klassikern gelegen.

Der Sektor „Éléphant“ in Fontainebleau
© Outdoortraum

So auch der Mont Simonet, einen Steinwurf vom Sektor „Éléphant“ gelegen. Mit bislang 100 Bouldern der Schwierigkeiten 2 bis 7c ist dort für jeden etwas geboten. Parcours gibt es jedoch nicht. Die meisten Boulder, die wir probiert haben, stehen denen in den bekannteren Gebieten in nichts nach. Platten und Überhänge, Crimps und Sloper, Highballs und niedrige Boulder, alle Zutaten für eine gepflegte Boulder-Küche vorhanden.

Abenteuerliche Plaisier-Boulder

Am „Les gros trous“ beispielsweise warten schöne Probleme im 4. Grad auf Plaisier-Boulderer. Das nicht immer perfekte Absprunggelände sorgt für ein bisschen Abenteuer. Die Probleme warten mit interessanten Zügen an Rissen und Untergriffen auf. Direkt dahinter befindet sich „ La Blanchisseuse“ (5). Von einem Sitzstart an zwei großen Seitgriffen zieht man in eine Andeutung von Untergriff. Auf den Schmiertritten sich ausreichend in diesen reinzupressen macht wohl schon die erste, aber nicht letzte Schwierigkeit aus. Kleine Leiste links, dann kreuzen oder verlängern in eine sloprige Wanne. Wenn man in dieser beide Hände gewinnbringend untergebracht hat, heißt es noch einmal auf schlechten Tritten Gas geben, an die Kante feuern und ganz bleauesk rausmanteln oder -robben. Einmal ordentlich ausgetüftelt stellt die „Wäscherin“ für Heni kein größeres Problem mehr dar.

Bouldern in Fontainebleau

Typisches Bouldern in Fontainebleau
© Outdoortraum

Noch einen drauf legt man, wenn man sich den nicht ganz niedrigen „Fissure Diago“ (6a) am „Triathlete“ vornimmt. Sieht der diagonal nach rechts oben ziehende Riss doch auf den ersten Blick sehr gutgriffig aus, heißt es doch an einigen Stellen, die sehr runde Risskante präzise zu piazzen. Ist das geglückt, findet man sich plötzlich an einem runden, grifflosen Ausstieg wieder. In bester, aber ungeplanter Off-Width-Manier klemmen Knie und Fuß im Riss, während ich die Reibung meines gesamten Oberkörpers ausnutze, um einem abruptem Flash-Ende sowie den gedanklich durchgespielten Absturzfolgen entgegenzuwirken. Wenn ich etwas in all den Jahren Bouldern in Fontainebleau gelernt habe, dann ist es, mich aus solchen Situationen mit vorsichtigen, wellenförmigen Körperbewegungen zu befreien. Der damit einhergehende Spott perlt mittlerweile an mir ab.

„Pitt Boule“: Kalt wie eine Hundeschnauze

So weit, so schön am Mont Simonet. Nur dieser „Pitt Boule“, der kann einem schon den Tag versauen! Nachdem sich die ersten Züge eher schwer angefühlt haben, versuchte ich, am dritten Griff startend den Boulder zu klettern. Sloper in der linken, Sloper in der rechten, Hook rechts. Einmal mit rechts weiterpatschen. Überall nur ein Hauch von Nichts. Aber durch das Verspannen erstaunlich stabil. Hook auf die linke Seite. Nun der vermeintlich schwerste Zug. Mit der linken Hand muss man extrem weit auf den nächsten Sloper patschen. Wow, kein Problem. Das Gleiche noch mal. Hook rechts, Patscher rechts. Hook links, Patscher links. Hook beidseitig, um die Hundeschnauze und dann noch mal kräftig bis zur Kelle auf dem Hundekopf blockieren. Fertig. Geflasht! Zumindest diesen Teil. Der Startzug wird ja auch noch gehen. Einmal Arsch hoch, links rauspatschen und schon bin ich da, ab wo der Boulder gut kletterbar ist.

 

Der garstige Einstieg in den Boulder „Pitt Boule“
© Outdoortraum

Ich habe ja nun weder die kürzesten Arme, noch die kürzesten Beine. Trotzdem hänge ich vor diesem Fels mit äußerst aufgespannten Gliedmaßen um dessen Kanten und versuche verzweifelt, meinen Hintern aus dieser mich an eine mittelalterliche Vierteilung erinnernden Position auch nur einen Millimeter zu bewegen. Ich schiebe Crashpads, ich setze mich so und so, ich variiere die Höhe meiner Startgriffe. Nichts! Meine Handgelenke und Fußknöchel sehen nach zweistündigem Probieren auch aus, als wäre ich den Fesseln der Vierteilung so gerade eben entkommen. Das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt: Wenn ich auf zwei Crashpads starte und optimal sitze, schaffe ich es, den Hintern manchmal gerade so anzuheben und gelegentlich sogar an den nächsten Griff zu schnappen. Na ja, morgen halt. Muss ja nur einmal den Start schaffen, der Rest geht easy. So war es ja schon oft beim Bouldern in Fontainebleau.
Nächster Tag; wieder bereits eine Stunde investiert. Inzwischen liegt unter den beiden Crashpads ein Baumstamm „zur Korrektur“ und mir schwant, dass ich auch bei erfolgreicher Durchführung nur schwer den Vorwurf des Pfuschens von mir weisen kann. Trotzdem probiere ich weiter. Was soll ich sagen: „Pitt Boule“ ist ein Scheißköter! Aber, ich glaube, wenn man ihn kann, ein geiler Boulder!

Neue Entdeckerlust beim Bouldern in Fontainebleau

Leider mussten viele weitere Boulder am Mont Simonet unprobiert bleiben, weil meine Energien aufgebraucht waren. Aber dieses kleine Gebiet hat es uns wirklich angetan und wir werden bestimmt wiederkommen. Auch die Kombination aus „Éléphant“ und Mont Simonet ist wirklich lohnend. So sind es doch nur etwa zehn Gehminuten vom Zentrum des einen Gebiets zum anderen. Und ich glaube, dass auf alle, die das Bouldern in Fontainebleau neu entdecken wollen, noch viele kleine, weniger bekannte oder eben neuere Gebiete warten. Wir freuen uns aufs Erkunden!

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