Freiheit für den Wisent!

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Das Wisent-Projekt bei Bad Berleburg am Rothaarsteig ist einmalig in Westeuropa. Hier lebt eine Wisentherde mit zehn Tieren frei. Das Ziel ist es, das einst in Deutschland heimische Wisent wieder anzusiedeln und eine Herde von bis zu 25 Tieren am Rothaarsteig heimisch zu machen. Die Tiere leben in einem bewirtschafteten Wald und werden von Biologen beobachtet. Vier Universitäten unterhalten derzeit Forschungsprojekte zum „Wisent-Wald”.

Der Wisent gilt in freier Wildbahn als ausgerottet. Das letzte frei lebende Tier wurde 1927 im Kaukasus erlegt. Überlebt haben Wisente seitdem nur in Zoos. Die Exemplare am Rothaarsteig sind ebenfalls Nachfahren von verschiedenen Zootieren. Die Renaturierung des Wisents in seinem angestammten Lebensraum ist das ambitionierte Ziel des Projekts „Wisent-Wald”.

Vor Betreten der „Wisent-Wildnis“ werden Wanderer von riesigen Stahl-Büffeln begrüßt. © textwelten

Vor Betreten der „Wisent-Wildnis“ werden Wanderer von riesigen Stahl-Büffeln begrüßt.
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Der Wisent wird auch als Europäischer Bison bezeichnet und ist seinem amerikanischen Bruder optisch sehr ähnlich. Der imposante Kopf geht in einen markanten Widerrist über. Insgesamt wirken Kopf und Schulterpartie im Vergleich zum Rest des Körpers riesig. Der Wisent ist zwar kleiner als das Bison in Nordamerika, kann aber dennoch eine Schulterhöhe von bis zu 2 Metern bei einem Gewicht von bis zu 1 Tonne erreichen. Diese Riesen im Wald sind jedoch ganz friedlich. Als Fluchttiere suchen sie keine Auseinandersetzung, sondern ziehen sich bei Gefahr mit der Herde zurück. Auch Jagdverhalten ist von Menschen und anderen Waldbewohnern nicht zu befürchten: Wisente ernähren sich ausschließlich vegetarisch.

Hier liegt jedoch das Problem und Hauptstreitpunkt mit den am Rothaarsteig ansässigen Forstwirten: Ein ausgewachsener Wisent benötigt 30 bis 60 Kilogramm Pflanzenmaterial pro Tag. Dazu gehören Laub, junge Triebe, Wurzeln und Baumrinde. Außerdem werden die Bäume im Wald manchmal auch gern benutzt, um sich daran zu schubbern. Darunter leidet mitunter die Rinde.

Die Forstwirte am Rothaarsteig sehen das nicht gern, sind es doch ihre Bäume, die von den Tieren zerstört werden. Immer wieder kommt es deshalb zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Bis jetzt hat das Wisent-Projekt überlebt. Vor allem deshalb, weil die Betreiber fest entschlossen sind, die Tiere und ihr Vorhaben zu schützen und notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen. Man kann nur hoffen, dass die weitere Zukunft dieses Artenschutzprojektes gesichert bleibt.

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Dies wird vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit versucht. Um möglichst viele Menschen zu erreichen und für die Wiederansiedlung der Wisente in Deutschland zu begeistern, wurde die „Wisent-Wildnis” eingerichtet.

Der Wanderpfad © textwelten

Der Wanderpfad
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Dabei handelt es sich um ein 20 Hektar großes Gehege, auf dem eine kleine Wisent-Herde lebt. Da Wanderer kaum eine Chance haben, die frei lebende Herde im unüberschaubar großen Wald zu Gesicht zu bekommen, wurde mit dem eingezäunten kleineren Areal eine Art Guckloch eingerichtet.

Um das Gehege möglichst natürlich aussehen zu lassen, wurde ein Durchgang gebaut. © textwelten

Um das Gehege möglichst natürlich aussehen zu lassen, wurde ein Durchgang gebaut.
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Wanderer durchschreiten ein kleines Bächlein. © textwelten

Wanderer durchschreiten ein kleines Bächlein.
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Auf dem Gelände befindet sich ein 3 Kilometer langer Wanderweg, der naturnah angelegt ist und sich durch den Wald schlängelt.

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Geeignet ist der Pfad auch für nicht geübte Fußgänger, trittsicher sollte man jedoch schon sein, denn gepflastert ist hier nichts.

Das Gelände wechselt sich ab – dichter Wald wird von hellen Lichtungen unterbrochen. Auf einer dieser Lichtungen steht die Wisent-Herde besonders gern, denn sie vereint alles, was das Wisentherz begehrt: Ein kleiner Bach plätschert durch eine helle Wiese. Am Rand erhebt sich hügelig der Wald und wirft seine Schatten auf das satte Grün.

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Bei unserem Besuch der Wildnis sehe ich die Herde mit drei Kälbchen und einem Jungbullen. Die Kälbchen galoppieren erstaunlich behände den Hang hinauf, um sich dort an einer umgestürzten Wurzel zu vergnügen. Sie reiben sich an der Rinde des Baumes und graben mit dem Kopf im Wurzelballen. Der alte Bulle beäugt seine Herde derweil gelassen. Nur hin und wieder macht er ein paar Schritte, um zu grasen.

Souvenir: Holzwisent für daheim © textwelten

Souvenir: Holzwisent für daheim
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Es fasziniert mich, diese sanften Riesen so nah zu sehen. Seit der Steinzeit hat es Wisente in Europa gegeben. In Höhlenzeichnungen sind sie verewigt. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie friedlich die Wälder durchstreifen. Die „Wisent-Wildnis” hat bei mir ihr Ziel voll erreicht: Ich bin begeistert von den Wisenten und drücke ihnen und den Projektbetreibern die Daumen, dass sie weiterhin frei bei uns leben dürfen.

Mehr Infos zum „Wisent-Wald” und zur „Wisent-Wildnis” gibt es auf http://www.wisent-welt.de

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