Blog-Wichteln: Die Küche in der Fahrradtasche – Lieblingsgerichte vom Campingkocher

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Ich gehöre einem wunderbarem Netzwerk an, dem texttreff. Hier versammeln sich Frauen, die in irgendeiner Form beruflich mit Sprache zu tun haben, also Texterinnen, Lektorinnen, Übersetzerinnen usw. Jedes Jahr veranstalten wir das Blog-Wichteln. In diesem Jahr hat mich meine Kollegin Sabine Schlimm beschenkt. Vielen Dank dafür!


Die Küche in der Fahrradtasche – Lieblingsgerichte vom Campingkocher

Zu sagen, dass ich gerne gut esse, wäre eine Untertreibung. Ich esse sehr gerne gut, und Urlaub wäre kein Urlaub, wenn er nicht auch eine Genusskomponente hätte. Andererseits sind mein Lieblingsreisebegleiter und ich häufig mit Fahrrad und Zelt unterwegs – nicht zuletzt deshalb, weil wir uns als Langzeitprojekt die Umradelung der Ostsee in Etappen vorgenommen haben. Auf dieser Strecke sind nicht nur die Gourmetrestaurants dünn gesät, sondern Restaurants jeder Art. Ohnehin finde ich es anstrengend, jede meiner Mahlzeiten aus einer Speisekarte aussuchen zu müssen – mal ganz abgesehen davon, dass die Auswahl in vielen Gegenden schwierig wird, wenn man nicht ständig Fleisch essen möchte. Und natürlich koche ich gerne selbst. Also wandert bei unseren Urlaubsvorbereitungen als Erstes der gute alte Campingkocher, bei mir der Trangia-Gaskocher, in die Packtaschen.

Rezeptauswahl mit Tücken

Zum Einsatz kommt er durchschnittlich jeden zweiten Abend. Das heißt aber, dass die Speisekarte des Gasthauses „Vor dem Zelteingang“ nicht auf Nudeln mit Tomatensauce beschränkt sein darf. Denn wer (jenseits des Alters von fünf) will das schon an drei bis vier Tagen in der Woche essen? Abwechslung muss also her. Campingtaugliche Abwechslung. Das heißt:

Die Gerichte müssen schnell gehen. Nicht nur, weil der Hunger nach einer Fahrrad-Tagesetappe mittelgroß bis brüllend ausfällt, sondern auch, weil man ein bisschen mit dem Campinggas haushalten muss, will man nicht eine ganze Packtasche für Kartuschen reservieren.
Das Essen muss satt machen. Salate oder Gemüsesüppchen taugen nicht als Verpflegung für die Fahrrad- oder Wandertour.
Die Kocherei muss sich mit einem großen und einem etwas kleineren Topf sowie einer Pfanne (die gleichzeitig als Topfdeckel dient) bewältigen lassen. Und zwar nacheinander – schließlich steht nur eine Gasflamme zur Verfügung.
Die Zutaten sind im Zweifel auf das beschränkt, was ein kleiner Dorfsupermarkt im Angebot hat.
Außerdem müssen sich die Zutaten in einer einzigen Mahlzeit verbrauchen lassen, denn Vorräte können wir nur sehr begrenzt mitnehmen. Gut, das angebrochene Päckchen Reis oder eine übrig gebliebene Möhre lassen sich schon verstauen, aber alles, was sehr druckempfindlich ist oder gekühlt werden muss, ist raus. Also zum Beispiel Milch und Sahne.

Kochen im Birkenhain: Da schmeckt's noch mal so gut! © Sabine Schlimm

Kochen im Birkenhain: Da schmeckt’s noch mal so gut!
© Sabine Schlimm

Campingküchen-Speisekarte: Die Sattmacher

Hmm. Was bleibt da jetzt übrig? Ehrlich gesagt: noch eine ganze Menge. Fangen wir mal mit der Sattmacher-Basis an:

  • Nudeln: gehen natürlich immer. Allerdings haben sie den Nachteil, dass man das Wasser abgießen muss. Da wir nicht extra ein Sieb mitnehmen, hat das immer eine etwas unkomfortable Hantiererei mit Topf, Deckel und zwei Griffen zur Folge. Und ja, es ist auch schon vorgekommen, dass ein Nudelgericht zwischen den Zähnen knirschte, weil ein Teil der Mahlzeit Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hatte. (Abspülen, trotzdem essen. Besser, als hungrig auf die Isomatte zu gehen.
  • Reis: ist als Quellreis sogar unkomplizierter als Nudeln. Und dazu braucht man noch nicht mal mit Reisbeuteln zu hantieren! Für zwei Mittelhungrige 1 Campingbecher Reis in den Topf geben, 1,5 Campingbecher Wasser dazu, salzen, aufkochen. Nach dem Kochen auf kleinster Flamme 7 Minuten mit Deckel köcheln lassen, dann vom Kocher nehmen. Den Topf in ein Geschirrtuch wickeln, möglichst noch einen Fleecepulli drumherum, und den Reis 5–7 Minuten quellen lassen. Oder bis der Rest fertig ist. Mit Naturreis klappt diese Methode nicht; der braucht viel länger und ist daher für unterwegs keine Alternative.
  • Couscous: Für die Campingküche gibt es nichts Praktischeres. In eine gut verschließbare Tüte abgefüllt (Gefrierbeutel mit Verschlussklemme), lässt er sich perfekt in Lücken in der Packtasche stopfen. Und die Zubereitung könnte nicht einfacher sein: für zwei Leute 1 Campingbecher Couscous mit etwas Salz in einen Topf geben, 1 Campingbecher Wasser aufkochen, darübergießen, Deckel drauf, quellen lassen. Das war’s. Das lässt den Kocher für das Dazu frei. Ist das fertig, braucht an den Couscous nur noch mal mit der Gabel aufzulockern.
  • Buchweizen (ganze Körner): großartige Alternative, wenn man in Osteuropa unterwegs ist, wo es ihn in jedem Laden gibt. Schmeckt schön nussig und ist mit der Quellreismethode genauso schnell gar wie Reis.
Hier kriegt man auf jeden Fall Brot. Und sonst? © Sabine Schlimm

Hier kriegt man auf jeden Fall Brot. Und sonst?
© Sabine Schlimm

Geschmacks-Sachen

Was der ganzen Sache Geschmack, Farbe und Vitamine gibt, ist Gemüse nach Supermarkt-Vorratslage. Wobei das mit dem Geschmack so eine Sache ist. Denn wo ich zu Hause beherzt ins Gewürzregal greifen kann, um Aroma-Abwechslung auf den Teller zu bringen, fördert der Griff in die Fahrradtaschen bei mir nur Salz zutage. Und vielleicht ein paar Papiertütchen mit Zucker, die ich bei der Nachmittagspause eingesteckt habe, statt sie in meinen Kaffee zu leeren.

Warum ich nicht diese herzigen Multi-Gewürzstreuer mitnehme, die jedes Outdoorgeschäft strategisch bei den Kassen platziert? Weil die darin enthaltenen Gewürzmengen gerade mal dazu taugen, ein Frühstücksei aufzupeppen (falls ich es denn mit Currypulver essen möchte). Nee, zum Kochen bringen die nichts. Ich glaube, wir hatten auf Fahrradtouren schon mal eine kleine Pfeffermühle dabei. Aber das war’s. Also Gemüse ganz pur? Ja, oft. Was gut ohne aufregende Gewürze geht, sind zum Beispiel diese Gerichte:

Schmorgurken

Das Rezept funktioniert auch mit Salatgurken, die wirklich jeder noch so kleine Dorfladen im Regal liegen hat.

Für zwei Leute zuerst Reis, Couscous oder Buchweizen vorbereiten und quellen lassen (siehe oben). 1 Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. 1–2 Salatgurken (je nach Topfgröße) schälen (ja, das geht mit dem Messer; allerdings stecke ich immer einen Sparschäler ein), längs halbieren und den glasigen inneren Teil mit einem Löffel herausschrappen; der würde die Sache allzu wässrig machen. Die Gurkenhälften noch mal längs halbieren und in Stücke schneiden. Ca. 5 Tomaten halbieren, Stielansätze herausschneiden und die Tomaten grob würfeln.

Jetzt 1–2 Esslöffel Öl in den Topf, die Zwiebel anschwitzen, das Gemüse dazugeben, salzen und alles zugedeckt köcheln lassen, bis die Tomatenwürfel mehr oder weniger zerfallen und die Gurken glasig geworden sind. Das dauert 10–15 Minuten. Bei üppigem Gasvorrat und nicht gar so großen Hunger darf das Gemüse aber auch gerne noch offen eine Weile weiterköcheln.

Falls der Supermarkt frischen Dill hatte: Bingo! In Osteuropa ist das gar nicht mal so unwahrscheinlich. Den Dill fein schneiden und zum Schluss unterrühren. Petersilie geht auch, erfordert aber etwas enthusiastischeres Hacken. Das Gemüse mit Salz, Pfeffer (falls im Gepäck) und ein, zwei Kaffeetütchen Zucker abschmecken.

Wenn es im Supermarkt kleine Becher mit Sauerrahm gab, kommt zum Essen auf jede Portion ein großer Klacks (wie gesagt: keine Reste entstehen lassen!). Alternativ könnte man zum Gurkengemüse Spiegeleier in die Pfanne hauen. Oder Feta braten. Oder Räucherfisch servieren. Oder dünne Scheiben von rohem Schinken dazulegen.

Lauwarmer Couscoussalat

Voraussetzung dafür ist ein bisschen Kraft in den Händen. Denn die Säure in diesem Salat kommt vom Zitronensaft, und der muss aus der Zitrone ja erst mal raus. Da wir natürlich keine Zitronenpresse dabei haben, muss die Frucht halbiert und dann gequetscht werden. Das geht übrigens noch besser, wenn man vorher mit einer Gabel von der Schnittfläche aus ein bisschen im Fruchtfleisch herumstochert. Aber so weit sind wir noch nicht.

Zuerst wird Couscous gekocht (siehe oben) und zum Quellen beiseitegestellt. Jetzt wird Gemüse gewürfelt: je nach Angebot Frühlingszwiebeln (wer keine findet und rohe Zwiebel gut verträgt, kann natürlich auch eine einfache Küchenzwiebel nehmen), Gurke, Tomaten, Paprikaschote. Sofern Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Basilikum aufzutreiben waren (vielleicht sogar vorgehackt als Tiefkühlware): gerne rein damit. Feta in Würfeln ist auch eine prima Idee.

Alles mit dem Couscous mischen und mit einem großen Glugg Öl, Zitronensaft und Salz abschmecken. Natürlich schmeckt der Salat noch toller, wenn er etwas durchziehen durfte. Aber bei akutem Hunger verzichten wir darauf lieber.

Bei Radurlauben will das Gepäck wohlgeplant sein. © Sabine Schlimm

Bei Radurlauben will das Gepäck wohlgeplant sein.
© Sabine Schlimm

Die Grenzen der puren Küche

Auch Eintopf haben wir schon gekocht: Wenn man Kartoffeln, Möhren, Lauch klein genug würfelt, ist alles in vertretbarer Zeit fertig. Mit Hülsenfrüchten wird die Sache noch sättigender: Rote Linsen sind superschnell gar, allerdings nicht auf jedem Dorf zu finden (und man schleppt im Zweifel die halbe Packung weiter, denn ganz aufbrauchen wird man die nicht). Aber ein Blick in die Dosenabteilung fördert oft Linsen, Bohnen oder Kichererbsen zutage. Und wer Fleisch isst und ein schönes Stück Speck oder eine pikante Wurst findet, hat damit auch das Würzproblem gelöst.

Schön viel Geschmack bringt Lauch mit. Für Lauchgemüse mit Käse lässt man entweder Schnittkäse auf dem schön weich geschmorten Lauch schmelzen, oder man rührt Schmelz- oder Frischkäse ein. Dazu gibt’s Reis oder Nudeln. Und auch Sauerkraut kommt fast ohne Gewürze aus und schmeckt zum Beispiel mit einer Paprikaschote geschmort zu Buchweizen.

Aber irgendwann wird die pure Gemüseküche doch ein wenig eintönig. Ich jedenfalls vermisse früher oder später die Abwechslung, die Gewürze in meine Küche bringen. Für diese Momente habe ich inzwischen eine Lösung gefunden: Ich nehme immer zwei, drei … na, so Fix-Päckchen mit. Halt! Hier bleiben! Bevor ihr euch jetzt mit Schaudern wendet, weil eine Foodbloggerin UND Kochbuchautorin öffentlich eingesteht, zu Industrietütchen zu greifen: Ich kann das erklären.

Die Fix-Tüten, die ich meine, kaufe ich im Bioladen, und wenn man die Packungen umdreht und auf die Zutatenliste guckt, stellt man fest, dass es im Grunde reine Gewürzmischungen sind. Keine Geschmacksverstärker, keine Konservierungsmittel. Klar, zu Hause brauche ich solche Packungen nicht, um eine marokkanische Tajine, ein indisches Korma oder eine mediterrane Gemüsepfanne zu kochen. Aber zu Hause habe ich auch ein ganzes Gewürzregal zur Verfügung.

Für Radreisen dagegen sind diese Päckchen praktisch. Die Zubereitungsanweisung, die daraufsteht, betrachte ich nur als Vorschlag. Stattdessen würze ich mit dem Päckchen, was eben gerade vorhanden ist. Hähnchenfleisch? Och nö, Blumenkohl schmeckt mit indischer Würze auch toll. Kokosmilch? Im Zweifel geht’s auch ohne. Das heißt, ich benutze diese Päckchen als Gewürzmischungen, die eben praktischerweise in Portionen abgepackt sind. So ist es möglich, zwei oder drei der flachen Tütchen in die Fahrradtasche zu packen und damit Abwechslung in die Campingküche zu bringen.

Und dann doch: Spaghetti mit Tomatensauce

In der Tasche schmiegen sich die Tütchen dann innig an die Packung Spaghetti und die fertige Tomatensauce. Äh. Wie bitte? Das auch noch? Ja. Denn es gab zwei-, dreimal Situationen, in denen wir unterwegs hungrig auf die Isomatte gehen mussten: weil weit und breit kein Laden zu finden war oder weil der Campingplatz den geplanten Einkaufsausflug durch eine rigide Absperrpolitik vereitelte (wir wären zwar raus-, aber nicht wieder reingekommen). Seitdem habe ich mir geschworen, dass ich nie, nie ohne eine Notration Spaghetti mit Tomatensauce aufs Rad steige. Und ehrlich: Hin und wieder schmecken die auch echt gut.

4 Kommentare
  • Manon Garcia

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    Ein interessanter Artikel, auch wenn in der Ankündigung ein anderer Name genannt wurde. 🙂

  • Henrike Doerr

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    Vielen Dank für den Hinweis, liebe Manon! Das habe ich sofort korrigiert!

  • Inga

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    Coucoussalat ist auch bei uns ein Renner in der Campingküche. Da wir mit dem Auto und luxuriösen zwei Flammen unterwegs sind, ist manchmal sogar auch was aufwändigeres möglich. Glücklicherweise lässt sich so auch ein kleines Gewürzregal pflegen. Die Bio-Fix-Tüten finde ich aber vollkommen vertretbar, wir greifen hier in Australien gelegentlich auch auf sowas zurück 😉
    Grüße, Inga

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