#FreitagsFrage: Was gehört auf die Packliste fürs Fernwandern?

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Was nehme ich nur mit? Bevor ich mich auf eine Fernwanderung begebe, schreibe ich lange vorher meine Packliste. Denn wenn ich von meinen wochenlangen Wanderungen durch Spanien, England und Schottland erzähle, höre ich eine Frage besonders häufig: „Ist dir der Rucksack nicht zu schwer?“ Nö – mit ein bisschen Planung lässt sich das gut vermeiden.

Die Frage ist aber natürlich berechtigt, immerhin trage ich bei den Fernwanderungen alles, was ich brauche, auf dem Rücken. Und zu schwer ist doof. Es lohnt sich also, über die Frage „Was darf alles auf die Packliste?“ etwas länger nachzudenken.

Was darf der Rucksack maximal wiegen?

„Mehr als 11 Kilo braucht kein Mensch“, krähte mir der ältere Herr, offensichtlich wie ich ein Pilger auf dem Camino de la Costa, am Flughafen Bilbao entgegen, als er seinen Rucksack vom Gepäckband hob. „Alles darüber hinaus ist überflüssig.“ Mir wurde mulmig. Ich war das erste Mal auf einem Fernwanderweg unterwegs und mein Rucksack war schwerer. Um einiges gleich, je nachdem, welche Kleidungsstücke und Schuhe ich trug, kam ich auf 12 bis 13 Kilo. Ohne Wasser und Verpflegung, die ich ja auch immer noch mitnehmen musste. Hatte ich zu viel eingepackt?

Wanderzeichen auf dem Camino de la Costa © Cordula Natusch

Doch dann dachte ich an die Worte des Beraters, bei dem ich meinen Rucksack gekauft hatte: „Mach dir nicht zu viele Gedanken über das Gewicht. Wenn der Rucksack gut passt und das Gewicht auf den Hüften sitzt, ist das kein Problem.“ Nun denn, als Frau kann ich Hüfte gut (das ist ein echter Vorteil der weiblichen Anatomie). Wenn der Rucksack richtig gepackt ist, sollte das Gewicht gut aufgehoben sein.

Tatsächlich sind Aussagen wie „Ein Rucksack darf maximal XX Kilo wiegen“ meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Zu viele Faktoren spielen in das Gewicht rein:

• Was wiegen Rucksack und Schlafsack? Das waren bei mir die beiden größten Posten.
• Nehme ich Zelt und Kochgeschirr mit? Auch die müssen auf dem Rücken transportiert werden.
• Was brauche ich in dem Land, in dem ich unterwegs bin? Spätsommer auf dem Camino de la Costa heißt: viel Sonnenmilch, Herbst in Schottland: keine Sonnenmilch, dafür aber Handschuhe.
• Was muss ich mitnehmen? Vieles hängt vom persönlichen Bedarf ab. Am wichtigsten sind natürlich Medikamente, aber auch andere Dinge müssen im Zweifelsfall mit. So trage ich Kontaktlinsen und brauche nicht nur die Pflegemittel, sondern muss auch meine Brille mitnehmen. Alles zusammen etwa 400 Gramm – die jemand, der nicht so blind ist wie ich, nicht durch die Gegend tragen muss. Frauen brauchen mehr Hygieneartikel als Männer und da rede ich nicht von Lidschatten und Mascara, sondern von Tampons und Binden (ca. 30 Gramm).
• Was will ich mitnehmen? Auf manche Dinge will ich unterwegs vielleicht nicht verzichten. So kommen bei mir immer Stift und Notizbuch auf die Packliste, um ein Reisetagebuch zu führen (ca. 90 Gramm). Auch habe ich immer ein kleines, aber starkes Fernglas dabei.

Wie lässt sich etwas Gewicht sparen?

Dennoch ist es natürlich sinnvoll, auf das Gewicht zu achten. Die Grammzahlen bei einzelnen Posten zeigen ja, dass ich schon bewusst damit umgegangen bin. Und es lässt sich viel Gewicht einsparen!

Mit einem möglichst leichten Rucksack sind auch beschwerliche Wege zu schaffen. © Outdoortraum

• Nichts Überflüssiges mitnehmen. Das versteht sich, oder? Mein Ziel beim Packen war es, jedes Teil, das ich eingepackt hatte, auch zu gebrauchen. Und das ist mir gelungen. Sogar der Notfallschnürsenkel, den ich eingepackt hatte, kam zum Einsatz.
• Möglichst viel mitnehmen, was mehrere Funktionen erfüllen kann. Der Schnürsenkel ist ein gutes Beispiel: Der ließ sich als alles Mögliche nutzen: als Ersatzgürtel, als Wäscheleine, als Befestigung für Dinge, die ich irgendwo anbändeln wollte …
• Von zwei Dingen die leichtere Alternative wählen. Auch klar! Allerdings gilt es hier, kreativ zu sein und Alternativen zu suchen. Wäscheklammern? Sind vergleichsweise schwer und lassen sich gut durch Sicherheitsnadeln ersetzen, die ohnehin unglaublich praktisch sind. Waschmittel in der Tube, Duschgel und Shampoo? Enthalten viel Wasser und bringen dadurch überflüssiges Gewicht mit. Ich habe immer reine Kernseife dabei, die ich für alles einsetze: Klamotten, Haare, Körper. Meine Haut liebt sie und meine Haare auch – auch wenn ich jeden Tag ein wenig mehr wie Struppi aussehe, weil die ganzen weich machenden Inhaltsstoffe fehlen. Das muss aber jeder selbst ausprobieren, ob er das verträgt. Handtücher braucht man, schnell trocknende Funktionstücher aber wiegen um einiges weniger und sind in Nullkommanix wieder einsatzbereit. Übrigens lohnt sich ein Besuch bei einem guten Ausstatter, denn viele Alltagsgegenstände bekommt man im Outdoor-Laden in leichteren, platzsparenden Alternativen.
• Je nachdem, wo man unterwegs ist, kann man Dinge, die sich verbrauchen, mehr oder weniger problemlos nachkaufen. Die Erstausstattung (z. B. mein Kontaktlinsenmittel) mitzunehmen ist sinnvoll.

Stramm unterwegs mit dem passenden Gewicht auf dem Rücken. © Outdoortraum

Ich fange schon immer Wochen vor einer Fernwanderung an, den Rucksackinhalt zusammenzustellen, wiege die unterschiedlichen Alternativen penibel aus und notiere mir die Alternativen mit ihrem Gewicht in einer vorläufigen Packliste. Ein paar Tage vor der Abreise gehe ich dann alles durch und entscheide, was tatsächlich mitkommen darf und was nicht.

Meine Packliste für den Camino de la Costa

So sah meine höchst individuelle Packliste für meine erste Fernwanderung aus:

• Rucksack mit Regenhülle
• Schlafsack
• Tragetasche zum Einkaufen (mit Kleidungsstücken ausgepolstert diente sie auch prima als Sitzkissen)
• Plastiktüten (unverzichtbar, um Ordnung im Rucksack zu halten)
• Wanderstöcke (die ich jedem nur empfehlen kann)
• wasserfeste Sandalen, die auch als Duschschlappen dienen können
• Wanderstiefel
• Ersatzschnürband
• Regenjacke
• Regenhose
• regenfeste Gamaschen
• zwei Trekkinghosen mit abzippbarem Bein
• zwei Trekkingblusen oder -shirts
• Fleecejacke mit Kapuze
• Gürtel
• Halstuch
• zwei Slips
• zwei BHs
• T-Shirt für die Nacht
• drei Paar Wandersocken
• Bikini
• Kernseife mit Seifendose
• zwei Handtücher
• Waschlappen
• Geschirrtuch
• Handy mit Ladegerät und Hülle
• Kamera mit Ladegerät und Hülle
• Taschenlampe
• Löffel, Gabel, Messer
• Becher
• Personalausweis und Tickets
• Portemonnaie
• Notfallausweis
• Versichertenkarte
• Kreditkarte und Geld
• Wanderführer und Pilgerpass
• Notizbuch und Stift
• kleines Spanischwörterbuch
• kleines Erste-Hilfe-Set
• Kosmetiktasche
• kleine Bürste
• Kamm
• Haargummi und -klammern
• Sicherheitsnadeln
• Schweizer Taschenmesser
• Brille mit Etui
• Sonnenbrille mit Etui und Brillentuch
• Desinfektionstücher
• Sonnenmilch LSF 30
• Sonnencreme LSF 50
• Fußcreme
• Gesichtscreme
• Handcreme
• Lotion
• Wattestäbchen
• etwas Toilettenpapier
• Ohropax (braucht jeder, der in Herbergen übernachtet)
• Mundwasser
• Zahnpasta und Zahnseide
• Zahnbürste mit Hülle
• Deo
• Blasenpflaster
• Nagelfeile, Nagelschere und Nagelstift
• Lippenstift mit LSF 50
• Lippenpflegestift
• Schmerztabletten
• Kontaktlinsen-Aufbewahrung
• Kontaktlinsen-Reiniger
• Uhr
• Taschentücher
• Tampons
• Reisenähset
• Fernglas

Eine gut durchdachte Packliste bewahrt vor unnötigem Ballast im Rucksack. © Outdoortraum

Diese Packliste ist schon etwas älter und heute würde ich in Teilen etwas anders packen. So lohnt sich bestimmt eine Recherche, ob es mittlerweile eine App als Alternative zum Wanderführer gibt. Für das Wörterbuch gibt es die sogar ganz sicher. Auch die Blasenpflaster würde ich nicht wieder mitnehmen, ich komme mit ganz normalen Pflastern besser zurecht. Und ja: Ich hatte auch Mascara, Lidschatten und Puder dabei. Auf die paar Gramm mehr kam es nicht an. Denn das habe ich auf den Fernwanderwegen gelernt: Wenn man nicht übertreibt, ist Gewicht auf dem Rücken kein Problem.


Ich bedanke mich bei Cordula Natusch für diesen tollen Beitrag, den sie mir im Rahmen der Blogwichtelei geschenkt hat, die unser gemeinsames Netzwerk Texttreff alljährlich veranstaltet. Cordula schreibt auf ihrem Blog Abseits der Pfade über ihre Entdeckungen in Hamburg und Norddeutschland. Beitragsbild: © Rainer Sturm_pixelio.de

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