Leichte Sprache und einfache Sprache: Was sind die Unterschiede?

Die Begriffe Leichte Sprache und Einfache Sprache werden häufig synonym verwendet. Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten, aber es gibt auch bedeutende Unterschiede. Worin Letztere bestehen, lesen Sie hier.

Warum überhaupt Leichte Sprache?

Leichte Sprache soll Menschen den Zugang zu Informationen erleichtern, wenn sie nicht gut lesen können. Und das betrifft nicht wenige: Der Level-one-Studie von 2011 zufolge sind 7,5 Millionen Deutsch sprechende Erwachsene in Deutschland von der selbstständigen gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, weil sie nur sehr eingeschränkt lesen und schreiben können. Das entspricht 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland.

Die 4 zentralen Zielgruppen für Leichte Sprache:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Menschen, die nicht gut lesen können
  • Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen
  • Menschen mit Demenz

Leichte oder Einfache Sprache?

Um besser einordnen zu können, was Leichte und was Einfache Sprache ist, gibt es die Sprachklassifizierung. Darin wird das Sprachvermögen von Menschen eingeordnet.

Durchschnittliche deutsche Muttersprachler verfügen meist über ein Kompetenzniveau zwischen B1 und B2. Sie können Sprache also selbstständig verwenden.

Der Unterschied zwischen Einfacher und Leichter Sprache lässt sich ebenfalls an der Tabelle festmachen. Einfache Sprache ist bei einem Kompetenzniveau zwischen A2 und B1 angesiedelt. Leichte Sprache bewegt sich auf dem Niveau A1 bis A2.

Kurz gefasst: Leichte Sprache ist leichter als Einfache Sprache.

Fehlendes Regelwerk

Ein Grund, weshalb die Begriffe oft synonym verwendet werden, ist auch das fehlende verbindliche Regelwerk. Es gibt zwar das Netzwerk Leichte Sprache, das ein Regelwerk entwickelt hat. Das ist aber nicht gesetzlich verpflichtend und wird auch nicht immer einheitlich verwendet. Am deutlichsten wird das in diesem wichtigen Punkt: der Prüfgruppe.

Das Netzwerk Leichte Sprache legt fest, dass ein Text nur dann als Leichte Sprache deklariert werden darf, wenn er zuvor einer Prüfgruppe vorgelegt wurde. Diese Prüfgruppe besteht aus Menschen der Zielgruppe – sehr häufig Menschen mit geistiger Behinderung. Sie lesen den Text und finden gemeinsam mit einer Betreuungsperson heraus, wie gut sie ihn verstehen. Wo Unklarheiten sind, können sie nachbessern. Der fertige Text ist dann in Leichte Sprache übersetzt und kann das entsprechende Siegel bekommen.

Diese Prüfgruppe wird aber oft eingespart. Weil es aber keine bindende Vorschrift für so eine Überprüfung gibt, werden die Text dennoch als Texte in Leichter Sprache bezeichnet. Für die Qualität gibt es jedoch dann keinen genauen Anhaltspunkt.

Die 6 wichtigsten Regeln für Leichte Sprache:

  • einfache und kurze Wörter
  • längere Wörter koppeln
  • kurze Sätze
  • keine Fremdwörter
  • keine Abkürzungen oder Sonderzeichen
  • keine bildliche Sprache, Metaphern oder Redewendungen

3 Unterschiede zwischen Leichter und Einfacher Sprache

Leichte Sprache hat noch mehr Regeln, als die oben genannten. Und das ist schon der relevanteste Unterschied zur Einfachen Sprache. Für die gibt es nämlich gar keine Regeln. Wir können nur auf das recht schwammige Sprachkompetenzniveau von A2 bis B1 zurückgreifen. Was das ganz genau in der Praxis bedeutet, ist aber nicht ganz klar.

Unterschied 2: Leider gibt es auch keine Prüfgruppen, die Texte auf angemessene Sprache hin lesen und überarbeiten.

Die 3 Unterschiede zwischen Leichter und Einfacher Sprache sind also:

  • das Sprachkompetenzniveau (A1–A2 bzw. A2–B1)
  • die vorhandenen oder fehlenden Regeln
  • die Prüfgruppe oder eben ihr Fehlen

Beispielsätze für Leichte und Einfache Sprache

Um die Unterschiede zum Schluss ein wenig anschaulicher zu machen, habe ich hier ein paar Beispielsätze.

Standardsprache:

Viele Menschen haben Probleme, das zu verstehen, was wir als normale Schriftsprache kennen. Dies betrifft zum Beispiel Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Menschen mit einem geringen Bildungshintergrund. Um auch diese Menschen zu erreichen, gibt es Einfache Sprache. Im Vergleich zu Leichter Sprache ist Einfache Sprache etwas komplexer.

Einfache Sprache:

Viele Menschen können schwere Texte nicht verstehen. Zum Beispiel Menschen, die nicht gut Deutsch können. Zum Beispiel Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel Menschen, die nicht lange zur Schule gegangen sind. Für diese Menschen gibt es Einfache Sprache. Im Vergleich zu Leichter Sprache ist Einfache Sprache etwas schwerer.

Leichte Sprache:

Viele Texte sind zu schwer.

Viele Menschen können diese Texte nicht verstehen.

Zum Beispiel:

  • Ausländer
  • Behinderte
  • Menschen, die nicht lange zur Schule gegangen sind.

Für diese Menschen gibt es Einfache Sprache.

Beim letzten Beispiel ist gut zu sehen, dass Leichte Sprache auch Auswirkungen auf die Darstellung hat. Meistens steht nur ein Satz pro Zeile. Die Schrift und der Zeilenabstand sind größer und die Texte meistens linksbündig. Einfache Sprache kommt ohne diese Hilfsmittel aus.

Noch ein Beispiel

Standardsprache:

Laut Hans Mustermann, Geschäftsführer der Kölner Verkehrsbetriebe, werde es ab Oktober 2019 im öffentlichen Nahverkehr genehmigt, mit einem Handy-Ticket zu fahren.

Einfache Sprache:

Ab Oktober 2019 gibt es in Köln das Handy-Ticket für Bus und Bahn. Das Handy-Ticket ist eine Fahrkarte, die auf dem Handy gespeichert ist. Das sagt Hans Mustermann. Er ist Geschäftsführer der Kölner Verkehrsbetriebe. Den Kölner Verkehrsbetrieben gehören die Busse und Bahnen in Köln.

Leichte Sprache:

Ab Herbst 2019 ist etwas Neues in Köln erlaubt:

Menschen dürfen mit einem Handy-Ticket Bahn fahren.

Das Bahn-Ticket ist dann im Handy gespeichert.

Das sagt Hans Mustermann.

Er ist Chef der KVB.

Der KVB gehören die Busse und Bahnen in Köln.

Übrigens: Einfache Sprache ist stilistisch oft der bessere Text. Denn nicht nur für Einfache Sprache gilt: Übersichtliche Sätze und klare Aussagen sind für alle besser verständlich. Es lohnt sich also immer, Texte zu überarbeiten. Warum nicht mal in Einfacher Sprache?

Was sind Ihre Erfahrungen mit Leichter und Einfacher Sprache? Verraten Sie es mir im Kommentar!

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