„Gibt es ein Skript oder muss ich mitschreiben?“ Das werde ich in meinen Workshops regelmäßig gefragt. Meine Antwort: „Es gibt ein Skript. Ich empfehle Ihnen aber, trotzdem mitzuschreiben.“ Dafür gibt es viele Gründe. Die drei wichtigsten nenne ich hier.
1. Wir merken uns Dinge besser
Das Schreiben mit der Hand ist ein komplexer Vorgang. Laut neurologischen Studien sind dabei zwölf verschiedene Hirnareale gleichzeitig aktiv und es wirken über 30 Muskeln und 17 Gelenke zusammen. Ziemlich beeindruckend! Das ist aber natürlich kein Argument dafür, mehr mit der Hand zu schreiben. Aber es erklärt, warum wir uns Inhalte besser merken, wenn wir sie handschriftlich notieren. Weil das Schreiben mit der Hand in der Regel langsamer passiert als das Tippen auf einer Tastatur, erbringen wir gleichzeitig eine Gedächtnisleistung. Hier wirken körperliche und geistige Erinnerung zusammen. Weil jeder Buchstabe eine andere Bewegung erfordert, wird die körperliche Erinnerung intensiviert. Beim Tippen auf der Tastatur wiederholen wir die immer gleiche Bewegung. Daher ist die Körpererinnerung hier deutlich schwächer. Vielleicht ist es Ihnen schon einmal aufgefallen: Wenn Sie einen Einkaufszettel schreiben, müssen Sie im Supermarkt oft gar nicht mehr draufschauen. Dieses Phänomen haben Vergleichsstudien mit Proband*innen übrigens bestätigt. Die Merkfähigkeit ist der Hauptgrund, warum ich in meinen Workshops empfehle, mit der Hand zu schreiben.
2. Wir verstehen Inhalte besser
Weil es länger dauert, sich etwas handschriftlich zu notieren, als zu tippen, denken wir beim Schreiben in der Regel intensiver mit. Schon beim Aufschreiben ordnen wir Gedanken und Informationen, wählen aus und lassen Aspekte weg. Wir verarbeiten also aktiv Daten. Das passiert besonders intensiv, wenn wir mit der Hand schreiben, weil es da noch wichtiger ist. Wir können aus Zeitgründen weniger notieren und müssen stärker selektieren. Das Ergebnis: Noch während wir schreiben, ordnen wir Informationen ein und denken darüber nach. Wir verstehen Sachverhalte besser. Neurologisch gesehen entstehen bei diesem Prozess mehr neuronale Verknüpfungen als beim Tippen auf der Tastatur.
3. Wir sind kreativer
Wenn wir zum Stift greifen, sind wir nicht unmittelbar durch digitale Reize abgelenkt: Keine anderen Fenster auf dem Desktop sind offen, ein Blatt Papier hat kein E-Mail-Postfach und keinen klingelnden Signalton. Diese Ungestörtheit fördert Kreativität.
Außerdem schreiben wir mit der Hand nicht zwangsläufig linear. Wir können einkringeln, durchstreichen, quer eine Anmerkung machen oder herumkritzeln. All das ist möglich, wenn wir mit der Hand schreiben, und zwar ganz schnell und assoziativ. Das fördert den Gedankenfluss und Ideen können sprudeln, während wir sie notieren. Wenn wir das digital imitieren möchten, ist das deutlich schwieriger und dauert meistens auch länger.
Einfach mal wieder mit der Hand schreiben!
Mein Tipp: Greifen Sie mal wieder zum Stift! In meinen Workshops zum kreativen Schreiben fordere ich explizit dazu auf. Beim Schreiben mit der Hand wechseln Sie nämlich auch die Perspektive und das ist ein echter Ideen-Booster.
Wann schreiben Sie mit der Hand? Verraten Sie es mir im Kommentar!
Übrigens: Wenn Sie Lust haben, gemeinsam mit der Hand zu schreiben und die Ideen sprudeln zu lassen, dann kommen Sie doch in meinen Workshop zum kreativen Schreiben!
