Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz und dem Stil von KI-Texten haben Sie mittlerweile sicher schon gemacht. Selbst etwas gepromptet und fasziniert festgestellt, wie schnell ein Text entsteht. Oder etwas gelesen und das leise Gefühl gehabt: Klingt gut, aber irgendwie … unecht.
Im letzteren Fall hatten sie es vermutlich ebenfalls mit einem KI-Text zu tun. Meistens wird dann gesagt, diese Texte seien generisch. Aber was heißt das eigentlich? Woran erkennt man KI-Texte?
Heiße Luft
Am augenscheinlichsten sind KI-Texte dann, wenn auf den ersten Blick nichts an ihnen auszusetzen ist. Stellt man die Aussagen dann aber auf die Probe, liest man genauer und denkt über das Geschriebene nach, entpuppt sich der Text als Aneinanderreihung von bedeutungslosen Worthülsen.
Beispiel:
- Die Anwendung dieser Prinzipien hilft dabei, die Essenz der xy-Praxis so zu entschlüsseln, dass sie anwendbar ist.
Grammatikalisch ist dieser Satz einwandfrei. Aber er sagt nichts aus. Er stimmt auch inhaltlich nicht. Prinzipien kann man nicht anwenden. Wie soll die Essenz von etwas entschlüsselt werden? Eine Praxis soll anwendbar sein – das ist abgesehen von der Dopplung auch stilistisch nicht schön. Ein Blender-Satz also und ein typisches Beispiel für den Stil von KI-Texten.
Sprung in der Platte
Wie eine Schallplatte mit Kratzer (ich hatte eine analoge Kindheit) wiederholt die KI Kernaussagen immer wieder und so explizit, dass es fast schon aufdringlich wirkt. Menschen können zwischen den Zeilen lesen, verstehen Kontext und sind auf vielfältige Weise in der Lage, die Wichtigkeit von Aussagen einzuordnen. Die KI nicht. Sie arbeitet statistisch und errechnet möglichst eindeutige Aussagen. Sprachlich ist das langweilig und plump.
Unauthentischer Ton
Als Grundeinstellung ist der Stil von KI-Texten sachlich. Sogar sehr betont sachlich. Nur wenn man entsprechend promptet, verändert die KI den Sprachstil. Hier kommt es dann allerdings oft zu einer Übersteuerung. Soll die KI zum Beispiel einen lockeren, humorvollen Ton anschlagen, könnte so etwas dabei herauskommen:
- Mein innerer Zen-Mönch versucht es ja, aber mein Alltag lässt ihm einfach keine ruhige Minute.
Das soll lustig sein, ist es aber nicht richtig. KI tut sich insbesondere mit Humor, Ironie, Sprachwitz und Sarkasmus schwer, weil man dazu komplexe inhaltliche Zusammenhänge verstehen muss, gekonnt um die Ecke denkt und sich diese Art der Ausdrucksweise zudem auf einem fein austarierten Netz kultureller Praktiken bewegt. Das erfordert hohe Intelligenz. KI ist aber nicht intelligent, auch wenn ihr Name das suggeriert. KI errechnet lediglich Wahrscheinlichkeiten. Die besten Witze jedoch sind die, die uns überraschen mit einer unvorhergesehenen Pointe. Deshalb wirkt Sprachwitz bei KI oft so übertrieben und unpassend.
Das gilt auch für andere Stilrichtungen, denn auch hier geht es um das mit höchster Wahrscheinlichkeit treffende Ergebnis. Je deutlicher der sachliche, naive, lakonische oder sonst wie Ton getroffen ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um das gewünschte Ergebnis handelt. Mathematisch gesehen. Sprache ist aber nicht Mathematik. Ästhetisch entscheiden wir anders über guten Stil.
Immer die gleiche Leier
KI-Texte sind leicht entlarvt, schaut man auf die Satzstruktur. Hier fällt auf: Die Sätze sind meistens sehr gleichbleibend lang, und zwar in jedem einzelnen Satz. Damit bleibt das Tempo immer identisch und über die Satzlänge wird keine Spannung aufgebaut.
Auch der Aufbau folgt oft einem sich wiederholenden Muster:
- Während viele glauben, dass xy, betonen andere, dass z.
Das ist kein falsches Muster. Gute Texter*innen würden es aber variieren für mehr Abwechslung. Zum Beispiel so:
- Viele glauben xy, dabei ist z möglich.
- Viele glauben xy. Doch was ist mit z? Das ist auch möglich.
- Z ist eine Option, viele denken aber vor allem an xy.
- Usw.
Fazit
Nein, hier schreibe ich noch kein Fazit. So mit dem Holzhammer würde ich Ihnen das nie zumuten. Die KI allerdings schon. Die KI liebt explizite Fazits. So sehr, dass sie mit großer Verlässlichkeit die letzte Zwischenüberschrift „Fazit“ betitelt. Das ist typischer Stil von KI-Texten und geht bei Menschen deutlich eleganter.
Botox für Texte
Mit ein wenig Übung erkennen Sie KI-Texte also recht schnell. Sie haben Ähnlichkeit mit Botox: Auf den ersten Blick sehen sie toll aus, geradezu perfekt. Näheres Hinsehen entlarvt aber, dass mit den fehlenden Falten auch jede Persönlichkeit und Ausdruckskraft gegangen ist. Sie sind austauschbar oder – generisch.
Was für Erfahrungen haben Sie mit KI-Texten gemacht? Verraten Sie es mir im Kommentar!
Übrigens: Wenn Sie lernen wollen, mit KI richtig gute Texte zu schreiben, dann kommen Sie doch in meinen Workshop „Besser texten mit KI“! Mit ein paar Kniffen und menschlichem Köpfchen geht das nämlich durchaus.

Den Punkt „Heiße Luft“ haben Sie völlig zu Recht ganz vorangestellt. KI-Output ist gerne gespickt von Kausalzusammenhängen, die gar keine sind. Hören sich toll an. Irgendwie wichtig. Manchmal sogar besonders schlau, gar wissenschaftlich. Gerade beim schnellen Drüberlesen, kann man leicht denken bzw. eher unterbewusst wahrnehmen: Ja, ja, sehr richtig…
Liest man aber ein zweites Mal drüber und setzt den Satz in unmittelbare Verbindung mit zuvor genannten Inhalten des Textes, wird schnell klar: Das ist völliger Quatsch. Eine Aneinanderreihung von Worthülsen, leeren Floskeln. Das eine passt im direkten Zusammenhang überhaupt nicht zum anderen.
Neulich habe ich von einem Kunden einen Text erhalten mit der Bitte, mal schnell drüberzuschauen, man habe ihn mit KI erstellt und wolle ihn mal schnell auf der Webseite veröffentlichen, weil mal wieder neuer Content gebraucht wird. Man finde ausgesprochen toll, was die KI da ausgespuckt hat. Was soll ich sagen: Die Worthülsen gingen schon im Intro los…
Lieber Herr Krüger, Sie schildern da genau meine Erfahrungen. Und Sie nennen ein Problem, dass ich ebenfalls häufig wahrnehme: Vielen Menschen ist die mangelnde Textqualität nicht bewusst. Sie lassen sich von der Schnelligkeit und dem guten ersten Eindruck blenden. Da helfen wohl nur Aufklärung und Geduld.