Tool-Test: Korrektorat mit Textshine

Wie gut funktioniert das Korrektorat mit Textshine? Das will der neue Tool-Test beantworten. Das Korrektorat ist eine Kernaufgabe im Lektorat. Die Korrektur von Zeichensetzung, Rechtschreibung und Grammatik wird meistens als Bestandteil des Lektorats vorausgesetzt. Auf das Korrektorat folgen also weitere Textüberarbeitungen. Hier setzt das KI-Tool Textshine an. Die Anwendung verspricht ein „vollautomatisches Korrektorat“ – präzise, schnell und ausdrücklich ohne stilistische Umformulierungen. Beim Korrektorat mit Textshine werden keinerlei Umformulierung vorgenommen. Die Idee dahinter: Lektor*innen behalten die volle Kontrolle über den Text. Die KI arbeitet zu, indem sie das Korrektorat übernimmt.

Was ist Textshine?

Textshine ist ein KI-Tool, das sich auf das Korrektorat spezialisiert und beschränkt. Das Tool richtet sich an Menschen und Unternehmen, die professionell mit Texten zu tun haben: Verlage, Medienhäuser, Redaktionen, Selfpublisher*innen und Lektor*innen. Textshine wirbt ausdrücklich damit, keine Umformulierungen vorzunehmen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu sehr vielen anderen Textbearbeitungs-KIs. Diese Beschränkung ist gewollt, denn Textshine soll Lektor*innen nicht ersetzen, sondern ihnen die Arbeit erleichtern. Der Ansatz dahinter: Das Korrektorat gehorcht klaren Regeln und kann deshalb gut überprüft werden. Sprachliche Überarbeitungen sind komplexer und werden deshalb nicht angeboten.

Ich habe auf der Leipziger Buchmesse 2026 mit Alexander Seifert gesprochen. Wir saßen gemeinsam bei einer Podiumsdiskussion zu KI im Lektorat auf der Bühne und kamen danach ins Plaudern. Er ist der Gründer und Geschäftsführer von Textshine und kommt aus einem Lektoratshaushalt. Seine Mutter ist Lektorin. Es gibt noch einen kleinen Familienverlag. All das erklärt gut, warum die KI Textshine so ist, wie sie ist. Lektor*innen sollen ihre Kernkompetenzen in sprachlicher Hinsicht weiter ausüben. Die KI soll bei weniger anspruchsvollen Aufgaben (dem Korrektorat) unterstützen.

Was bietet Textshine an?

Laut eigener Aussage erkennt Textshine Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, Interpunktionsfehler, Eigennamen und typografische Fehler wie falsche Anführungszeichen.

Die zu korrigierenden Texte werden per E-Mail an das Unternehmen geschickt, von der KI korrigiert und im Änderungen-verfolgen-Modus per E-Mail zurückgeschickt. Das Ganze innerhalb weniger Minuten.

Die Abrechnung erfolgt transparent nach Zeichen. Es ist also vorab klar, was der Service kosten wird. Zum Testen steht ein Gratiskontingent zur Verfügung.

Der Änderungen-verfolgen-Modus ist ein Pluspunkt, denn so sind erstens alle Bearbeitungen nachvollziehbar, zweitens wird auch im Lektorat meistens im Änderungen-verfolgen-Modus gearbeitet. Nachteil: Im Änderungen-verfolgen-Modus von Textshine steht als Bearbeitungsinstanz auch Textshine. Wer das nicht möchte, muss dafür eine Lösung finden.

Wie zuverlässig arbeitet das Tool?

Textshine wirbt damit, professionelles Korrektorat zu ersetzen, nicht aber das Lektorat. Das ist ein sehr hoher Anspruch. Gleichwohl wird auf der Website zugegeben, dass nicht immer alle Fehler gefunden werden. Dort steht: „Manchmal übersieht Textshine etwas. So wie es bislang keine perfekte Korrektur gab, gibt es auch mit Textshine keine hundertprozentige Fehlerfreiheit. Nicht jeder Korrekturvorschlag ist korrekt. Sehen Sie sich daher die Korrekturvorschläge genau an und lehnen Sie die unkorrekten ab. Konsistenz der Schreibweisen über längere Passagen hinweg: Es kann vorkommen, dass Textshine in einer Passage den Baltoro-Gletscher immer koppelt, in einer anderen Passage aber als Baltorogletscher zusammenschreibt.“

Das liest sich wie ein Disclaimer. Für die Kundschaft heißt das: Ich muss den Text noch einmal prüfen, wenn ich Fehlerfreiheit möchte. Als professionelle Lektorin möchte ich das natürlich. Ich kann das Korrektorat also nicht zu 100 Prozent an die KI auslagern.

Mensch vs. KI

Textshine ist recht leistungsfähig. Allerdings bleibt es eine Maschine und damit limitiert. Als KI versteht Textshine Sprache nicht, sondern entschlüsselt Tokens und berechnet Wahrscheinlichkeiten. Damit geht fehlendes Kontextverständnis einher. Übrigens ein Kernproblem von KI-Systemen generell. Vergleichen wir Mensch und Maschine im Korrektorat, wenden Menschen nicht nur Regeln an, sondern entscheiden auch kontextabhängig:

  • Ist ein Tempuswechsel gewollt?
  • Soll eine Figur grammatikalisch unsauber sprechen?
  • Ist eine bestimmte Inkonsistenz bewusst gewählt?

Hier kann Textshine nicht unterscheiden, professionelle Lektor*innen jedoch schon.

Textshine und Datenschutz

In einer sehr wesentlichen Hinsicht kann Textshine punkten: Die KI arbeitet DSGVO-konform. Bei Textshine handelt es sich um ein österreichisches Unternehmen mit Sitz in Wien. Die Server stehen in der EU. Datenschutz bei Textshine bedeutet konkret: Es werden keine Daten länger als 24 Stunden gespeichert und keine Texte für das Training verwendet. Datenschutz ist im Lektorat ein sensibles Thema. Unsere Kundschaft muss sich darauf verlassen können, dass ihre Texte bei uns in sicheren Händen sind. Mit Textshine ist das kein Problem.

Lohnt sich Korrektorat mit Textshine?

Ich gebe zu: Ich nutze Textshine nicht. Das liegt unter anderem am Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Einsatz ist nicht ganz günstig und ich muss die Texte im Anschluss ohnehin noch einmal durchsehen. Das Unternehmen gibt ja selbst zu, keine hundertprozentige Fehlerfreiheit zu liefern. Das relativiert für mich die Zeitersparnis. Zudem werde ich selten für ein reines Korrektorat gebucht. Meistens führe ich Lektorate durch, in denen das Korrektorat enthalten ist. So, wie ich meine Workflows organisiert habe, erhalte ich beim ersten Durchgang einen guten ersten Eindruck vom Text im Hinblick auf Stil, Konsistenz, Gliederung, Ausdruck und vieles mehr und korrigiere die Rechtschreibfehler meistens gleich mit. Textshine wirbt damit, mich beim Korrektorat zu entlasten, damit ich mich aufs Lektorat konzentrieren kann. Das klingt verlockend, passt nur nicht zu meinem persönlichen Arbeitsablauf. Korrektorat und Lektorat sind bei mir zumindest im ersten Bearbeitungsdurchlauf meistens miteinander verwoben. Das mag bei anderen Lektor*innen aber natürlich anders aussehen. Ich wäre auch grundsätzlich bereit, meinen Workflow anzupassen, dafür müsste jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis besser werden.

Wo ich definitiv eine Erleichterung sehe, ist bei sehr korrekturintensiven, langen Texten. Hier droht die Betriebsblindheit ganz besonders. Textshine hat damit kein Problem. In solchen Fällen wäre ein Korrektorat mit Textshine als Unterstützung also sicher lohnend.

Welche Erfahrungen haben Sie mit KI bei der Textkorrektur gemacht? Würden Sie einem automatisierten Korrektorat vertrauen?

Übrigens: Wenn Sie mehr über das Korrektorat mit KI wissen wollen, dann kommen Sie doch in meinen Workshop!
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