Wie Corona unsere Sprache verändert

Covid-19 wäre kein richtiges Virus, wenn es sich nicht auch in unserer Sprache breitmachen würde. Im Februar 2020 tauchte der Erreger verstärkt in den Medien auf. Danach beherrschte er in Windeseile unseren Alltag. Bis heute sind Nachrichten ohne tägliches Corona-Update undenkbar. Und auch unseren Alltag beherrscht das Thema. So ist es kein Wunder, dass das Virus unsere Sprache beeinflusst: Wir lesen und sprechen täglich darüber.

Kopplungen mit Corona

Am offensichtlichsten ist der Einfluss von Covid-19 auf die Sprache in den vielen Komposita mit Corona. So berichten die Medien über die Corona-Lage, wegen geschlossener Friseursalons haben wir Corona-Frisuren und alle warten gespannt, was der Corona-Sommer 2021 bringen wird.

An Silvester wurden private Corona-Partys befürchtet, die vor allem Corona-Skeptiker veranstalten. Die blieben glücklicherweise aus, sodass die Corona-Maßnahmen dann nicht verschärft werden mussten.

Interessant dabei ist, dass diese Kopplungen mit Corona ganz unterschiedliche Tonalitäten aufweisen. Die Corona-Lage und Corona-Maßnahmen sind neutrale Begriffe, während die Corona-Party einen negativen Beiklang hat. Die Corona-Frisur hingegen ist durchaus mit Humor zu verstehen, wenn vielleicht auch mit Galgenhumor.

Fachvokabular in aller Munde

Ist es nicht erstaunlich, wie schnell wir uns alle neues Vokabular angeeignet oder es zumindest in unseren aktiven Wortschatz aufgenommen haben? Vor Februar 2020 habe ich das Wort Inzidenzzahl noch nie benutzt. Mittlerweile verwende ich es nahezu täglich. Ich kann mit Begriffen wie R-Wert, Herdenimmunität und Aerosol jonglieren und weiß mittlerweile sogar, was einen Virologen vom Epidemiologen unterscheidet.

Doch nicht nur diese Begriffe sind uns geläufig. Wir kennen auch das Personal aus dem Effeff, das es in der Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Bestimmt kennen auch Sie die Top 5 der deutschen Virologen, allen voran Christian Drosten. Der ist mit seinem Podcast regelmäßig in deutschen Wohnzimmern zu hören. Aber auch Lothar Wieler hat als Chef des Robert-Koch-Instituts große Berühmtheit erlangt.

Bleibt abzuwarten, ob dieses Wissen in unserem aktiven Wortschatz bleibt oder (hoffentlich!) von anderen Wörtern abgelöst wird.

Wortschöpfungen im Wandel

Besonders spannend finde ich Wortschöpfungen, die im Zuge der Pandemie entstehen. Die AHA-Regeln kennen wir mittlerweile und wir halten uns daran. Eltern mit schulpflichtigen Kindern müssen sich auf Distanzlernwochen einrichten. Und im Zusammenhang mit unterschiedlichen Ladenöffnungen in den Bundesländern befürchtete Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Blumentourismus nach Baden-Württemberg. Da ist mitunter ziemlich viel Kreativität im Spiel!

Interessant wird es, wenn wir uns manche Begriffe im Wandel anschauen. Zu Beginn der Pandemie wurde das Krankenhauspersonal von der Bevölkerung beklatscht. Damit die Geste ankam, stellten sich Menschen auf Balkone und klatschten zu einer festgelegten Uhrzeit. Das sogenannte Balkonklatschen war anfangs eine schöne Geste. Dann kam sie aber schon bald nicht mehr gut an. Denn das Klinikpersonal machte klar: Sie brauchen keinen Beifall, sondern personelle und finanzielle Unterstützung sowie durchschlagende politische Maßnahmen. Da wurde aus dem Balkonklatschen ein Balkongeklatsche – nur eine kleine Veränderung mit großer abfälliger Wortwirkung.

Kleines Corona-Alphabet

Im Folgenden habe ich ein paar Begriffe gesammelt, die im Zusammenhang mit Corona entstanden sind oder vermehrt verwendet werden. Für die Buchstaben X und Y habe ich leider keine Beispiele gefunden. Vielleicht fällt Ihnen etwas ein? Schauen Sie doch mal, welche Begriffe aus der Liste in Ihrem aktiven Wortschatz sind. Fallen Ihnen noch andere Wörter ein? Dann schreiben Sie es mir gern im Kommentar!

A = AHA-Regeln, Alltagsmaske, Abstandsbier

B = Balkonklatschen, Blumentourismus, Beherbergungsverbot

C = Corona-Frisur, Corona-Party, Covidiot

D = Distanzlernwoche, Dezemberhilfen

E = Erstkontakt, Eigenisolation, Einkaufshelfer, Exitstrategie

F = FFP2-Maske, Freitesten, Fußgruß

G = Geisterspiel, Gabenzaun, Glühweinwandern, Gurgeltest

H = Herdenimmunität, Homeschooling, Hochinzidentgebiet, Hustenetikette

I = Inzidenzwert, Impfneid, Impfgegner

J = Jahreswechsellockdown

K = Kuschelkontakt, Kinderbonus, kontaktlos

L = Lockdown, Lockerungen

M = Maskenmüdigkeit, Mindestabstand, Mund-Nase-Schutz, Mutante

N = Novembergeld, Niesetikette, No-Covid-Strategie

O = Öffnungskonzept, Onlinegottesdienst

P = Pandemie, PCR-Test,

Q = Quarantänehotel, Querdenker

R = R-Wert, Risikogebiet, Rückverfolgung

S = Social Distancing, Spuckschutz, Soforthilfe

T = Testzentrum, Tracking-App

U = Überbrückungshilfe

V = Viruslast, Verweilverbot

W = Welle (erste, zweite, dritte), Wechselunterricht, Wellenbrecherlockdown

X =

Y =

Z = zoomen

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